KKH Bergstrasse
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Anästhesie und Intensivmedizin

Klinische Anästhesie

 

Empfindungslosigkeit (Anästhesie) und Schmerzlosigkeit (Analgesie) während einer Operation herzustellen sind die Grundanliegen, mit denen Patientinnen und Patienten im Allgemeinen die Anästhesisten betrauen. Dabei kommen im Kreiskrankenhaus Bergstraße je nach Notwendigkeit alle modernen Verfahren der Allgemein- und Regionalanästhesie zum Einsatz.

 

Der Aufgabenbereich der Anästhesisten ist aber weit größer angelegt: Sie überwachen während und nach einer Operation die vitalen Funktionen, betreuen die operierten Patienten im Aufwachraum sowie auf der Intensivstation. Zudem fällt es in ihre Zuständigkeit, den Flüssigkeitshaushalt der Patienten in Balance zu halten sowie sicherzustellen, dass möglichst keine Schmerzen zu spüren sind.

 

Auf der Intensivstation werden schwer kranke und vital gefährdete Patienten betreut. Das besondere Augenmerk der Spezialisten liegt dort darauf, einem Versagen von Organen vorzubeugen. Gelingt dies nicht, ist das Team im Kreiskrankenhaus in der Lage, Nieren und Lunge durch eine Blutwäsche (Hämofiltration) und durch Beatmung eine Chance zur Regeneration zu geben.

 

Insbesondere in Zusammenarbeit mit den Kardiologen bildet der Bereich einen Schwerpunkt in der Behandlung von Patienten nach einer Wiederbelebung (Reanimation), beispielsweise in Folge eines Herzinfarkts

 

Seit 18 Jahren wird unseren Patienten vor großen Operationen die Möglichkeit der Eigenblutspende geboten, was als weiterer Schritt zur Risikominimierung gilt.

 

 

Notfallmedizin

 

Anästhesisten handeln schnell: Sie sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um das Richtige zu tun. Sie sind da, wenn jede Sekunde zählt.

 

Anästhesisten haben Fähigkeiten im Erkennen drohender oder eingetretener Notfallsituationen, in der Behandlung von Notfällen sowie in der Wiederherstellung und Aufrechterhaltung akut bedrohter Vitalfunktionen.

 

Durch seine fachübergreifende Kompetenz und die regel- und routinemäßige Versorgung schwerstverletzter Patienten jeden Alters im Schockraum und im Operationssaal ist der Anästhesist im besonderen Maße zur Notfallversorgung befähigt.

 

Das hausinterne Reanimationsteam wird von Ärzten und Pflegekräften der anästhesiologischen Intensivstation gestellt.

 

Seit 1.Januar 2016 sind Mitarbeiter der Anästhesie an 4 Werktagen auf den Notarzt- einsatzfahrzeugen des Kreises tätig.

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Schmerztherapie

 

Anästhesisten geben Halt: Sie wissen, wie sich körperliche Schmerzen und damit auch seelische Leiden behandeln lassen.

 

Anästhesisten behandeln akute und chronischer Schmerzzustände von Patienten vor, während und nach Operationen.

Wann immer möglich, werden Verfahren der Regionalanästhesie - entweder allein oder in Kombination - mit einer Allgemeinanästhesie eingesetzt. Damit bekämpfen wir Schmerzen bevor sie entstehen. Bereits während der Operation veranlasst der Anästhesist eine individuell angepasste Schmerzbehandlung nach einem Stufenschema. Meist wird schon im Aufwachraum damit begonnen und auf derNormalstation kontinuierlich weitergeführt. Dazu stehen uns unter anderem spezielle Schmerzmittelpumpen für die intravenöse Gabe oder für Regionalanästhesien zur Verfügung.Bei einem kathetergestützten regionalanästhesiologischem Verfahren überprüft eine Anästhesist täglich das Verfahren. Unser Team von erfahrenen Anästhesisten steht der Normalstation als Ansprechpartner bei akuten Schmerzen stets zur Verfügung.

 

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Intensivmedizin

 

Anästhesisten geben Hoffnung: Sie therapieren und behalten die Nerven, wenn es für Patienten ums Ganze geht.

 

Auf der Intensivstation werden Patienten nach Operationen, schweren Verletzungen, Reanimationen oder anderen lebensbedrohlichen Störungen der Vitalfunktionen überwacht und behandelt. Es stehen 14 Bettenplätze und sechs Beatmungsgeräte sowie zwei Geräte zur nicht-invasiven Beatmung zur Verfügung.

Es kommen aufwändige Spezialverfahren wie künstliche Beatmung und Blutwäsche zum Einsatz sowie eine genaue und lückenlose Überwachung aller wichtigen Körper- und Organfunktionen. Spezielle Messverfahren erlauben eine differenzierte Messung aller Herz- und Kreislauffunktionen. Als interdisziplinärer Dienstleister sorgen die Anästhesisten dafür, dass alle vital bedrohten Patienten eine zielgerichtete und individuelle Therapie nach modernsten Erkenntnissen erlangen. 

Hierbei steht insbesondere in akut lebensbedrohlichen Situationen nicht die „Apparatemedizin“ sondern der Patientenwille im Vordergrund.

 

 

 

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Allgemeine Informationen

 

Um einen operativen Eingriff vornehmen zu können bedarf es einer Schmerzausschaltung. Dies kann in Form einer Allgemeinanästhesie (Vollnarkose), einer Regionalanästhesie (örtliche Betäubung) oder einer Kombination aus Allgemein- und Regionalanästhesie erfolgen. Um Patienten ein Höchstmaß an Sicherheit sowie ideale Bedingung zu bieten, sind vor einer Operation, bei der eine Narkose erforderlich ist, im Rahmen der Prämedikationsviste verschiedene Untersuchungen notwendig.

 

Allgemein- und Regionalanästhesie werden durch Ärzte der Abteilung für Anästhesie durchgeführt. Lokalanästhesien (örtliche Betäubungen) werden, je nach Umfang des Eingriffes, von einem Anästhesisten oder dem Operateur selbst vorgenommen. Führt der Operateur die Lokalanästhesie selbst durch, ist bei schwerkranken Patienten ein Anästhesist zur Überwachung der Patienten anwesend.

 

Das zur Anwendung kommende Anästhesieverfahren wird in Abstimmung mit dem Operateur zwischen dem Patienten und dem Anästhesisten während der Prämedikationsvisite besprochen.

 

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Allgemeinanästhesie

 

Die Allgemeinanästhesie ist heute ein sicheres Verfahren, das im Kreiskrankenhaus Bergstraße durch qualifiziertes Personal und mit Hilfe moderner technischer Ausstattung vorgenommen wird. Die drei Säulen einer Allgemeinanästhesie sind die Analgesie (Schmerzausschaltung), die Hypnose (Schlaf) sowie die Relaxation (Muskelerschlaffung) bei Bedarf. Der Patient wird in einen tiefschlafähnlichen schmerzfreien Zustand versetzt. Hierzu werden in der Regel zu Beginn einer Anästhesie (Narkoseeinleitung) Medikamente in eine Vene injiziert, die diesen Zustand hervorrufen. Bei Säuglingen und Kindern ist dies auch mit einer speziellen Maske möglich. Einen venösen Zugang erhalten sie häufig erst nach der Narkoseeinleitung. Im weiteren Verlauf wird die Anästhesie dann als

 

 - intravenöse Kombinationsnarkose (einer Kombination aus intravenösen   Medikamenten und einem Lachgas-Sauerstoffgemisch),

 

 - Total Intravenöse Anästhesie (TIVA = intravenöse Medikamentengabe plus Sauerstoff/Luftzufuhr)

  • oder seltener als Inhalationsanästhesie mit einem gasförmigen Narkosemittel

durchgeführt.

 

Durch die rechtzeitige Beendigung der Anästhetikazufuhr wacht der Patient am Ende der Operation auf und wird in den Aufwachraum gebracht. Dort werden neben der Überwachung der Vitalparameter (Herz-Kreislauf, Atmung) die postoperativen Schmerzen therapiert. Erst nach Erlangen des vollen Bewusstseins, werden die Patienten auf ihre Station verlegt.

 

Da nach einer Narkoseeinleitung die Patienten in der Regel nicht mehr ausreichend atmen beziehungsweise die Atmung komplett einstellen, stellt der Anästhesist die Luftzufuhr sicher und beatmet den Patienten. Hierzu werden folgende Verfahren angewendet:

 

 - Maskennarkose über eine Gesichtsmaske (kurze Eingriffe) oder eine Larynxmaske (Kehlkopfmaske) die dem Kehlkopf direkt aufliegt (mittellange Eingriffe)

 

 - Intubationsnarkosen werden immer dann vorgenommen, wenn Gegenanzeigen für eine Maskennarkose vorliegen oder mit einer längeren Operationszeit zu rechnen ist.

 

Nachdem der Patient eingeschlafen ist, wird hierzu ein Tubus (Beatmungsschlauch aus weichem Plastik) in die Luftröhre eingeführt.

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Maskennarkose

 

Bei sehr kurzen Eingriffen in Rückenlage und Nüchternheit, ist die Beatmung nach dem Einschlafen auch mit einer Gesichtsmaske möglich. Die Maske wird auf das Gesicht gelegt, Mund und Nase sind dabei bedeckt. Bei dichtem Sitz ist so eine sichere Beatmung möglich.

 

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Larynxmaske (Kehlkopfmaske)

 

Falls es von der Operationsart möglich ist und keine Gegenanzeigen bestehen, kann auf die Intubation verzichtet werden und eine so genannte Kehlkopfmaske in den Rachen eingelegt werden. Sie wird nicht durch die Stimmbänder hindurch in die Luftröhre eingeführt, sondern im Rachen vor dem Kehlkopf aufgeblasen, um den Luftweg abzudichten.

 

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Intubationsnarkose

Nachdem der Patient eingeschlafen ist, wird mit Hilfe eines Laryngoskops ein weicher Schlauch durch den Mund oder die Nase über den Kehlkopf in die Luftröhre eingeführt. Dort wird am unteren Ende eine weiche Manschette aufgeblasen, die den Schlauch gegenüber der Luftröhrenwand abdichtet und so eine sichere Beatmung gewährleistet, dies gilt besonders für Eingriffe im Bauchraum oder in Bauchlage. Die zu Operierenden werden von all dem nichts spüren und der Schlauch, der so genannte Tubus, wird entfernt, bevor sie wieder wach sind.

 

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Regionalanästhesie

 

Unter dem Begriff Regionalanästhesie versteht man verschiedene Anästhesieverfahren, die eine Unterbrechung der Schmerzleitung vom Ort der Schmerzentstehung (Operationsgebiet) zum Ort der Schmerzwahrnehmung (Gehirn) ermöglichen. Die Schmerzunterbrechung erfolgt durch Medikamente (Lokalanästhetika), die die Weitergabe der Nervenimpulse unterbinden. Eine Regionalanästhesie ermöglicht Schmerzfreiheit bei Operationen ohne Beeinträchtigung des Bewusstseins.

 

Diese Anästhesieverfahren können bei Bedarf, respektive auf Wunsch des Patienten, mit einem Schlafmittel (Sedativum) oder einer Allgemeinanästhesie kombiniert werden. Alternativ können Patienten Musik hören (Walkman oder iPod mitbringen).

 

Für die Regionalanästhesie werden Lokalanästhetika in die Nähe der Nerven appliziert, die das Operationsgebiet versorgen. Die einfachsten Formen einer Regionalanästhesie sind die Oberflächenanästhesie und lokale Infiltrationsanästhesie, bei der nur das Wundgebiet betäubt wird. Dieses Verfahren wird meist vom Operateur selbst vorgenommen.

 

Die intravenöse Regionalanästhesie, auch „Blockade nach Bier“ genannt, stellt eine weitere Methode zur Anästhesie des Armes dar. Bei dieser Technik wir ein Lokalanästhetikum nach Unterbindung der Blutzirkulation in eine Vene der zu operierenden Extremität gespritzt (injiziert).

 

Bei den so genannten peripheren Nervenblockaden wird die Schmerzfreiheit im Bereich einzelner Nerven oder kompletter Körperregionen, wie zum Beispiel Arm (Plexusanästhesie), Bein/Fuß (Nervus ischiadicus Block) durch Injektion eines  

 Lokalanästhetikums  an den Nerven beziehungsweise an das Nervengeflecht herbeigeführt. Die Nerven werden dabei mit einer feinen Nadel aufgesucht, deren Spitze schwache elektrische Impulse aussendet und so eine optimale Plazierung des Mittels zur örtlichen Betäubung erlaubt.

 

Wenn die Wirkung der Nervenblockade getestet wurde, können Patienten entweder Musik hören oder in einen leichten Dämmerschlaf (Sedierung) versetzt werden. Die betäubten Körperregionen werden nicht nur schmerzunempfindlich, sondern können für einige Stunden nicht oder nur noch eingeschränkt bewegt werden.

 

Wenn bei Operationen die Fortführung der schmerzstillenden Wirkung einer Regionalanästhesie auch in den ersten Tage nach der Operation erwünscht ist, werden  uU bei  peripheren Nervenblockaden extrem feine Schläuche (Katheter) in die Nähe der zu betäubenden Nerven beziehungsweise Nervengeflechte gelegt. Somit können nach der Operation Lokalanästhetika wiederholt verabreicht werden, womit weitestgehende Schmerzfreiheit gewährleistet ist und das Üben erleichtert wird.

 

Bei den zentralen Nervenblockaden (Spinal- oder Epiduralanästhesie) unterbricht ein in den Wirbelkanal eingespritztes Lokalanästhetikum die Schmerzleitung von der unteren Körperregion zum Gehirn im Bereich des Rückenmarks. Das  

 Lokalanästhetikum  wird bei der Spinalanästhesie im Lendenwirbelbereich in den mit Gehirnflüssigkeit (Liquor) gefüllten so genannten Subarachnoidalraum injiziert. Im Gegensatz hierzu wird bei der Epiduralanästhesie das Lokalanästhetikum vor den Subarachnoidalraum injiziert.

 

Bei der Epiduralanästhesie werden im Kreiskrankenhaus Bergstraße auch Katheter zur postoperativen Schmerztherapie eingesetzt. Je nach Operationsgebiet wird im Brust- oder im Lendenwirbelbereich (thorakale beziehungsweise lumbale Epiduralanästhesie) durch die Punktionskanüle ein Katheter eingeführt und das Lokalanästhetikum über eine Spritzenpumpe kontinuierlich verabreicht.

 

Bei manchen operativen Eingriffen oder bei bestimmten Vorerkrankungen kann die Kombination von Narkose und Regionalanästhesie von Vorteil sein. So ist es in der Regel möglich, den Narkosemittelbedarf deutlich zu reduzieren, die Aufwachphase zu verkürzen und insbesondere die Schmerztherapie nach der Operation patientengerecht zu optimieren. Dies gilt vor allem für große Operationen im Bauch, wo eine Schmerzarmut nicht nur deutliche Vorteile für den Komfort bringt, sondern auch objektiv die Atmung verbessert, das Herz entlastet und den Darm anregt, seine Funktion frühzeitig wieder aufzunehmen.

 

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Geburtshilfliche Schmerztherapie

 

Bei Geburten den werdenden Müttern beizustehen ist seit mehr als 25 Jahren ein besonderes Anliegen der Anästhesie. Hierzu bietet sich die oben beschriebene Methode der Periduralanästhesie mit Katheter an, die auch über längere Zeit zum Beispiel mit einer Pumpe es erlaubt, die Wehenschmerzen in Grenzen zu halten.

 

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Komplikationen und Kontraindikationen

 

Wie bei jedem Anästhesieverfahren können auch bei einer Regionalanästhesie Nebenwirkungen auftreten. Komplikationen während oder nach einer Regionalanästhesie sind extrem selten, können jedoch auch ernsthafte Ausmaße annehmen. Deshalb eignet sich nicht jeder Patient für dieses Anästhesieverfahren.

 

Die häufigsten Komplikationen:

  • Infektion der Punktionsstelle
  • Blutungen bei Verletzung eines Blutgefäßes
  • Nervenschäden
  • Allgemeine Reaktionen
  • Allergische Reaktionen auf Lokalanästhetika

Regionale Anästhesietechniken werden im Kreiskrankenhaus Bergstraße zur Sicherheit der Patienten bei folgenden Gegebenheiten abgelehnt:

  • Anzeichen einer Gerinnungsstörung
  • bestehender Infekt oder Bluterguss an der Einstichstelle
  • nicht abgeklärte neurologische Defizite

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Intraoperative Blutaufbereitung

 

Bei bestimmten großen Operationen (zum Beispiel Wechsel einer Hüftendoprothese) wird das Blut im Operationsbereich mit einem speziellen Gerät aufgesaugt, gesammelt, aufbereitet und über eine Venentropf dem Patienten zurückgegeben. Die Fremdblutgabe kann somit verringert werden.

 

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Prämedikationsvisite

 

Die Prämedikationsvisite wird bei stationär aufgenommenen Patienten, abgesehen von Notfällen, spätestens am Vortag der Operation von einem Anästhesisten/einer Anästhesistin durchgeführt. Patienten, die mobil sind, kommen dazu in die Prämedikationsambulanz, bettlägige Patienten werden von den Anästhesisten/Anästhesistinnen auf der Station visitiert.

 

Patienten können aber auch schon einige Tage vor der Operation im Rahmen der vorstationären Vorbereitung die Ambulanz der Abteilung besuchen. Die notwendigen Unterlagen erhalten sie bei der Vorstellung bei den operativen Abteilungen, wo auch ein Termin für die Prämedikationsvisite am gleichen Tag oder an einem anderen Tag zu erhalten ist.

 

Um einen reibungslosen Ablauf des Narkosegespräches gewährleisten zu können, wird gebeten, zu diesem Vorgespräch alle aktuellen medizinischen Unterlagen (Voruntersuchungen, Medikamentenliste) mitzubringen, die vom Hausarzt zu bekommen sind. Ein ausgeteilter Fragebogen ist soweit möglich vom Patienten auszufüllen. Unklare Fragen werden in dem späteren Prämedikationsgespräch mit dem Anästhesisten/der Anästhesistin besprochen.

 

In diesem Gespräch wird das individuell optimale Narkoseverfahren besprochen, und es wird über mögliche Risiken aufgeklärt. Außerdem wird besprochen, welche Medikamente der Patient aus seiner Dauermedikation weiternehmen soll und welche für den Operationstag abgesetzt werden.

 

Zur Sicherheit des Patienten kann es in Einzelfällen vorkommen, dass eine Operation aus anästhesiologischer Sicht verschoben werden muss. Meist werden dann zusätzliche Untersuchungen vorgenommen oder der Patient einem anderen Fachgebiet (zum Beispiel Innere Medizin) zur konsiliarischen Untersuchung vorgestellt.

 

Ziel einer solchen Zusatzuntersuchung ist, den Allgemeinzustand des Patienten besser beurteilen zu können und gegebenenfalls durch ergänzende Medikation den aktuellen Gesundheitszustand bessern zu können.

 

Der Anästhesist/die Anästhesistin ordnet für den Operationstag ein Beruhigungsmedikament an, welches Patienten kurz vor der Operation erhalten. Es hat sich gezeigt, dass Patienten von dieser Beruhigung profitieren. Gelegentlich werden weitere Medikamente angeordnet. In diesem Zusammenhang ist es hilfreich, wenn Patienten Medikamentenpackungen und keine losen Tabletten mit ins Krankenhaus bringen.

 

Im eigenen Interesse sollen sich Patienten genau an die Verhaltensmaßregeln (Nahrungskarenz, Nikotinkarenz und anderes) halten, die der Anästhesist/die Anästhesistin  vorgeben. In der Regel darf bis zu sechs Stunden vor Aufnahme eine leichte Mahlzeit eingenommen und bis zwei Stunden klare Flüssigkeiten (zwei Tassen Tee/Wasser/Kaffee ohne Milch getrunken werden.

 

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Ablauf einer Narkose

 

Im Allgemeinen bekommen die Patienten cirka eine halbe Stunde bevor sie in den OP gebracht werden eine Beruhigungstablette mit einem Schluck Wasser. Dann werden sie von den Schwestern in ihrem Bett in den OP gebracht. An der Umbettschleuse werden sie von netten Anästhesieschwestern oder -pflegern in Empfang genommen und aus hygienischen Gründen mit einem Förderband (OP Schleuse) auf den OP-Tisch gebracht und dann in den Vorbereitungsraum gerollt. Dort erwartet den Patienten der Anästhesist/die Anästhesistin, geprüft werden zunächst Papiere, Identität und der bevorstehende Eingriff. Gleichzeitig wird der Patient an die Überwachungsgeräte angeschlossen. Dann wird am Arm/an der Hand eine Infusion angelegt.

 

Der weitere Ablauf ist je nach besprochener Narkose verschieden. Wichtig ist aber, dass der Patient erst in den OP-Saal gebracht wird, wenn er tief und fest schläft, beziehungsweise wenn die Wirkung der Regionalanästhesie geprüft wurde.

 

Während der Operation werden ständig die Körperfunktionen durch einen Anästhesisten und eine Anästhesiepflegekraft überwacht, und es wird für eine ausreichende Narkosetiefe gesorgt. Der Patient wird niemals allein gelassen, seine Sicherheit auch während der Narkose und Operation ist allen Beteiligten wichtig.

 

Gemeinsam bei allen Narkoseformen ist, dass der Patient nach dem Aufwachen in den Vorbereitungsraum zurückkommt  und er erst dann, wenn sich die Verantwortlichen wieder mit ihm unterhalten können, in den Aufwachraum gebracht wird. Von dort kommt er nach Stabilisierung aller vitalen Funktionen und eventuell nötiger Schmerzmittelgabe in sein Zimmer auf Station.

 

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Antworten auf immer wieder gestellte Fragen von Patienten

 

Verhalten vor einer Anästhesie

  • Sie sollten nüchtern bei der Operation erscheinen, das heißt, ab 24 Uhr des Vortages dürfen Sie nicht mehr essen und rauchen.
  • Um 6 Uhr dürfen Sie noch zwei Glas Wasser, Tee oder Kaffee ohne Milch zu sich nehmen.  - Der Magen soll vor einer Anästhesie leer sein.
  • Falls Sie morgens Medikamente einnehmen, besprechen Sie bitte mit Ihrem Anästhesie-Arzt beim Vorbereitungsgespräch, welche Medikamente vor der Operation noch eingenommen werden sollen. Häufig bekommen Sie kurz vor Beginn der Operation eine Beruhigungstablette, die Sie mit einem Schluck Wasser einnehmen dürfen. Selbstverständlich dürfen Sie vor Einnahme dieser Beruhigungstablette noch duschen, sich rasieren und die Zähne putzen. Bitte schminken Sie sich ab (Make-up, Nagellack …) und bringen Sie keine Prothesen, Schmuckstücke (einschließlich. Piercings) und Sehhilfen mit in den OP.
  • Berücksichtigen Sie bitte bei ambulanten Eingriffen, dass Sie 24 Stunden nach einer Narkose oder örtlichen Betäubung nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen dürfen und wegen eventueller Beeinträchtigung des Urteilsvermögens nur eingeschränkt geschäftsfähig sind.
  • Sorgen Sie für die Rückfahrt von der Klinik für eine Begleitperson, wir lassen Sie nur mit einem Aufpasser nach Hause.

 

Wache ich während der Operation wirklich nicht auf?

Nachdem Sie eingeschlafen sind, überprüft Ihr Anästhesiearzt neben den lebenswichtigen Organfunktionen auch ständig die Narkosetiefe. Mit Hilfe der heute verfügbaren Medikamente kann der Anästhesiearzt die Narkosetiefe zuverlässig und rasch regulieren. Sie brauchen sich also keine Sorgen zu machen, dass Sie während der Operation wach werden. Durch kopfhörerartige Lärmschutzkapseln sorgen wir dafür, dass Sie auch akustisch gut abgeschirmt werden.

 

Wann werde ich wieder richtig wach sein?

Die heutigen Medikamente lassen eine sehr gute Steuerung der Anästhesiedauer zu. Schon wenige Minuten nach Ende der Operation können Sie daher so weit wieder wach sein, dass Sie ausreichend atmen und wir uns mit Ihnen verständigen können. Bis Sie Ihrer Umgebung wieder Aufmerksamkeit entgegenbringen und sich für Aktivitäten wie Lesen, Fernsehen und ähnliches interessieren, vergehen jedoch in Abhängigkeit von Art und Dauer der Operation nicht selten Stunden. Diese Zeitspanne ist auch von der Art und Dosis der Schmerzmittel abhängig, die Sie nach der Operation benötigen. Bei großen Operationen kann es sein, dass Sie erst auf der Intensivstation aus der Narkose erwachen.

 

Wird mir nach der Operation übel sein?

Häufigkeit und Ausprägung von Übelkeit und Erbrechen hängen von der persönlichen Veranlagung und der Operation ab (gehäuftes Auftreten bei Eingriffen an Augen und Ohren, gynäkologischen Eingriffen oder Bauchoperationen). Früher waren sie nahezu unvermeidbare Folgen jeder Anästhesie. Die modernen Medikamente lösen diese unangenehmen Nebenwirkungen wesentlich seltener aus. Dennoch gibt es auch heute noch keine Gewähr für eine Aufwachphase ohne Übelkeit. Insbesondere können auch die nach der Operation verabreichten Schmerzmittel zu Übelkeit führen. Bitte teilen Sie Ihrem Anästhesiearzt Übelkeit und Erbrechen bei vorherigen Narkosen mit. Wir haben für Patienten mit einem erhöhten Risiko für Übelkeit und Erbrechen ein intensiviertes Schema ausgearbeitet - Sie müssen uns nur davon in Kenntnis setzen.

 

Werde ich nach der Operation Schmerzen haben?

Operative Eingriffe sind leider normalerweise mit Schmerzen verbunden. Daher haben wir ein Verfahren ausgearbeitet, mit dem Schmerzen vermieden bzw vermindert werden.

Schon gegen Ende der Operation bzw im Aufwachraum erhalten Sie von uns die erste Dosis eines Schmerzmittels, auch wenn Sie noch keine Schmerzen haben. Danach werden Sie regelmäßig nach der Schmerzintensität befragt. Der Einfachheit halber haben wir 5 Schmerzstärken definiert.

 

1 keine Schmerzen

2 leichte Schmerzen

3 Schmerzen

4 starke Schmerzen

5 unerträgliche Schmerzen

 

Je nach angegebener Schmerzstärke, Eingriff und zu erwartender Dauer der Schmerzen bekommen die Patienten dann auf Station weitere Medikamente, bis die Beschwerden auf ein tolerierbares Mass zurückgedrängt sind. Schmerzen sind kein notwendiges Übel, sondern eine behandelbare Nebenwirkung eines Eingriffs und niemand braucht sich zu schämen, wenn er/sie Schmerzen empfindet.

 

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Risiken und Nebenwirkungen Vollnarkose

  • Das Risiko einer Narkose ist stets im direkten Zusammenhang mit der Operation zu sehen und vom Operationsrisiko nur schwer zu trennen. Die ununterbrochene Überwachung von EKG, Blutdruck, Urinausscheidung und anderer Körperfunktionen, sowie die ständige Anwesenheit eines Anästhesiearztes und die Einführung besserer Narkosemedikamente haben in den letzten Jahrzehnten dazu beigetragen, das Risiko ernsthafter Zwischenfälle erheblich zu verringern.
  • Statistisch ergibt sich für sonst gesunde Patienten ein Risiko von etwa 1:200.000, an den direkten Folgen einer Narkose zu versterben. Ursachen für einen Todesfall durch die Narkose können beispielsweise schwere allergische Reaktionen, Komplikationen bei der Einführung des Beatmungsschlauches, Störungen der Atmung nach der Operation, das "Einatmen" von Mageninhalt und eine darauf folgende schwere Lungenentzündung, ein während oder kurz nach der Operation auftretender Herzinfarkt oder ein Herzstillstand sein.
  • Notfallmäßige Operationen oder Vorerkrankungen erhöhen das Narkoserisiko in einem individuellen Ausmaß, das im Gespräch mit dem Anästhesisten vor der Operation erörtert werden kann. In seltenen Fällen muss bei einem stark erhöhten Risiko von einer Operation abgeraten werden.
  • Die häufigsten Nebenwirkungen einer Narkose sind Übelkeit und Erbrechen, die gehäuft bei Nichtrauchern und jüngeren Patientinnen mit einer Neigung zu Reisekrankheit beobachtet werden (in bis zu 60 Prozent der Fälle). Ebenso hat die Art der Operation Einfluss auf die Häufigkeit dieser Nebenwirkung. Sie tritt gehäuft bei Augenoperationen, Ohroperationen, gynäkologischen, insbesondere laparoskopischen Eingriffen und Bauchoperationen auf. Durch Medikamente lassen sich Übelkeit oder Erbrechen in den meisten Fällen lindern.
  • Weiterhin können Venenreizungen, Entzündungen oder Blutergüsse im Bereich der Einstichstellen von Kanülen und Kathetern (in etwa 25 Prozent der Fälle) auftreten.
  • In weniger als 0,5 Prozent der Fälle werden beim Einführen des Beatmungsschlauches in die Luftröhre Zähne, Zahnersatz, Mund oder Kehlkopf verletzt. Heiserkeit und Schluckbeschwerden können die Folge sein. Die meisten dieser Fälle beobachten wir bei Patienten mit eingeschränkter Mundöffnung oder Halsbeweglichkeit, schmerzhaften Erkrankungen im Mund, Kiefer- oder Halsbereich beziehungsweise lockeren oder sanierungsbedürftigen Zähnen.
  • Lähmungen und Gefühlsstörungen an Armen oder Beinen können durch unbemerkten Druck auf oberflächlich liegende Nerven während der Lagerung hervorgerufen werden. Sie bilden sich meist innerhalb von Monaten zurück. Das Risiko dieser Schäden ist abhängig von der Art der Operation und der hierbei notwendigen Lagerung. Ein erhöhtes Risiko besteht zum Beispiel bei gynäkologischen oder urologischen Eingriffen (spezielle Lagerung), bei Übergewicht, bei langer OP-Dauer und bei Eingriffen in Seiten- oder Bauchlage.
  • Selten kann Magensaft oder Mageninhalt über die Speiseröhre in die Luftröhre und dann in die Lunge eindringen (Aspiration). Dies birgt die Gefahr einer durch den sauren Mageninhalt ausgelösten schweren Lungenentzündung. Das Risiko (ungefähr 0,1-0,5 Prozent) kann durch Nüchternheit vermindert werden und ist erhöht bei Notfalleingriffen, schwangeren Frauen, Übergewicht sowie einigen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes.
  • Bei jedem Patienten besteht die Möglichkeit einer allergischen Reaktion auf verabreichte Medikamente. Das Risiko hängt ab von der individuellen allergischen Veranlagung.
  • Beruhigungs- und Narkosemedikamente bewirken oft eine Erinnerungslücke, die auch Zeiträume kurz vor und nach der Operation einschließen kann.
  • Bestimmte Operationen erfordern eingreifende Maßnahmen der Überwachung wie das Einführen eines Katheters in eine herznahe Vene und in eine Schlagader, das Einführen einer Magensonde, eines Blasenverweilkatheters und anderes. Dies geschieht meist erst in Narkose. Der Anästhesiearzt informiert im Aufklärungsgespräch über Sinn und Risiken dieser zusätzlichen Maßnahmen.
  • Er wird auch über die Risiken einer eventuell erforderlichen Fremdbluttransfusion sowie über die Möglichkeiten, Fremdblutgaben zu vermeiden informieren.

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Risiken und Nebenwirkungen Spinalanästhesie

  • In cirka. 2-5 Prozent der Fälle ist eine Spinalanästhesie nicht ausreichend wirksam. Dann muss auf eine Allgemeinanästhesie übergegangen werden, was jederzeit möglich ist.
  • Kreislaufreaktionen wie Blutdruckabfall oder Verlangsamung des Herzschlages, die mit Übelkeit vergesellschaftet sein können, lassen sich in der Regel rasch beheben.
  • Schwere Zwischenfälle, zum Beispiel allergische Reaktionen oder Herzkreislauf- beziehungsweise Atemstillstand, werden mit cirka 0,06 Prozent angegeben. Sie können in über 70 Prozent erfolgreich behandelt werden.
  • Eine vorübergehende Blasenentleerungsstörung kann nach der Operation das Einlegen eines Blasenkatheters notwendig machen.
  • Nach einer Spinalanästhesie treten bei cirka 2 Prozent der Patienten hartnäckige Kopfschmerzen auf (relativ am häufigsten bei jungen Frauen).
  • Vorübergehende Funktionsausfälle von Nerven werden bei 0,06-0,08 Prozent der Spinalanästhesien beschrieben. Bleibende Lähmungen, im Extremfall die Querschnittslähmung, als Folge von Blutergüssen, Entzündungen oder direkten Nervenverletzungen werden in 0,02 Prozent angegeben.

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Risiken und Nebenwirkungen Periduralanästhesie

  • Eine unzureichende Wirkung wird in 3-5 Prozent der Fälle beobachtet. Dann wird auf eine Allgemeinanästhesie ausgewichen.
  • Eine vorübergehende Blasenentleerungsstörung kann das Einlegen eines Blasenkatheters notwendig machen.
  • In cirka. 0,4-3,4 Prozent der  Fälle wird mit der Einführungsnadel ungewollt die harte Rückenmarkshaut durchstochen (wie dies bei der Spinalanästhesie absichtlich geschieht), was eine Ursache von Kopfschmerzen nach einer Periduralanästhesie sein kann.
  • Als Medikamentenfolge können Juckreiz und Übelkeit auftreten.
  • Kreislaufreaktionen, zum Beispiel Blutdruckabfall oder Verlangsamung des Herzschlages, lassen sich meist schnell beheben.
  • Schwere Zwischenfälle, zum Beispiel allergische Reaktionen oder Herzkreislauf- beziehungsweise Atemstillstand, sind mit 0,01 Prozent äußerst selten.
  • Bleibende Lähmungen als Folge von Blutergüssen, Entzündungen oder direkten Nervenverletzungen sind mit 0,02 Prozent ebenfalls sehr selten.
  • Ein vorübergehender Funktionsausfall von Nerven wurde in bis zu 7 Prozent der  Fälle beobachtet.  

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Links

 

Für den Inhalt externer Internetseiten ist ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Internetseite des Bundes Deutscher Anästhesisten (BDA):

 

http://www.bda.de/24_0patienteninformation.htm

http://www.anaesthesielotse.de

 

 

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