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Was Schmetterlinge im Bauch mit Darmbakterien zu tun haben

Aktuelles und Pressemitteilungen | 27.10.2026

Ein flaues Gefühl vor einem wichtigen Gespräch, Durchfall in einer Stresssituation oder Schmetterlinge im Bauch bei Verliebtsein: Dass der Darm mehr kann, als Nahrung zu verdauen, haben die meisten Menschen schon selbst erlebt. Doch was steckt dahinter? Und was haben Milliarden von Darmbakterien mit unserer Gesundheit zu tun? Diesen Fragen widmete sich PD Dr. Uwe Seitz im Marstall in Heppenheim. Bei der Veranstaltung in Kooperation mit der Bürgerstiftung Heppenheim stand unter dem Titel „Darm mit Scham – Der Darm als Schlüssel zu Gesundheit und Wohlbefinden“ ein Organ im Mittelpunkt, über das zwar jeder verfügt, über das aber längst nicht jeder gerne spricht.

Dabei gibt es gute Gründe, genauer hinzuschauen: Der Darm ist nicht nur für die Verdauung zuständig. Er nimmt Nährstoffe auf, beherbergt eine Vielzahl von Mikroorganismen, arbeitet eng mit dem Immunsystem zusammen und steht in ständigem Austausch mit dem Gehirn.

Ein ganzes Fußballfeld im Bauch

Unser Darm ist ein echtes Multitalent – und seine innere Oberfläche ist riesig. Durch die zahlreichen Falten und Ausstülpungen wird sie stark vergrößert, damit der Körper möglichst viele Nährstoffe aufnehmen kann. In anschaulichen Vergleichen wird diese Fläche manchmal mit einem Fußballfeld gleichgesetzt. 

Auf dieser großen Oberfläche lebt eine vielfältige Gemeinschaft von Mikroorganismen. Dieses sogenannte Darmmikrobiom ist so individuell wie seine Lebensbedingungen: Was wir essen, welche Medikamente wir einnehmen und wie wir leben, kann seine Zusammensetzung beeinflussen. Antibiotika beispielsweise bekämpfen nicht nur krankmachende Bakterien, sondern können auch nützliche Darmkeime beeinträchtigen. Und selbst Medikamente, die gar keine Antibiotika sind, können Einfluss auf das Mikrobiom nehmen.

Was mögen die kleinen Mitbewohner besonders? Ballaststoffe! Sie stecken unter anderem in Vollkornprodukten, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten. Während unser Körper manche Nahrungsbestandteile selbst verdaut, dienen Ballaststoffe den Darmbakterien als Nahrung. Bei deren Verarbeitung entstehen Stoffwechselprodukte, die der Darmschleimhaut zugutekommen können. Eine abwechslungsreiche Ernährung bietet unterschiedlichen Darmbakterien Nahrung. Eine einzelne Wunderzutat, die das Mikrobiom für alle Menschen gleichermaßen ins Gleichgewicht bringt, gibt es allerdings nicht.

Macht der Darm unsere Stimmung?

Dass Stress auf den Magen schlagen kann, ist keine Einbildung. Darm und Gehirn stehen über Nervenbahnen, das Immunsystem und Botenstoffe miteinander in Verbindung. Deshalb kann Aufregung die Verdauung verändern – und umgekehrt können Vorgänge im Darm Signale an das Gehirn senden.

 

Diese Verbindung wird als Darm-Hirn-Achse bezeichnet. Sie ist ein spannendes Forschungsgebiet, in dem noch viele Fragen offen sind. So wird untersucht, welche Rolle das Mikrobiom bei Erkrankungen wie Depressionen oder Stoffwechselstörungen spielen könnte. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen einem beobachteten Zusammenhang und einer nachgewiesenen Ursache: Nicht jede Auffälligkeit im Mikrobiom bedeutet, dass die Darmbakterien eine Erkrankung ausgelöst haben.

Wenn der Darm aus dem Takt gerät

Verstopfung, Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Hinter solchen Beschwerden stecken ganz unterschiedliche Ursachen. Beim Reizdarmsyndrom etwa leiden Betroffene wiederholt unter Bauchschmerzen und veränderten Stuhlgewohnheiten, ohne dass sich eine andere ausreichende Erklärung findet.

Was helfen kann, ist individuell verschieden. Bewegung und eine angepasste Ernährung können Beschwerden lindern. Bei manchen Betroffenen kommen lösliche Ballaststoffe wie Flohsamenschalen infrage. Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Low-FODMAP-Ernährung. Dabei werden bestimmte kurzkettige Kohlenhydrate vorübergehend reduziert, die im Dünndarm teilweise schlecht aufgenommen werden und im Dickdarm zu Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall beitragen können. Anschließend wird schrittweise getestet, welche Lebensmittel individuell vertragen werden. Die Ernährungsumstellung sollte möglichst fachlich begleitet werden, damit der Speiseplan ausgewogen bleibt.

PD Dr. Seitz sprach außerdem über chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Bei ihnen führen Entzündungen im Verdauungstrakt zu wiederkehrenden oder anhaltenden Beschwerden. Auch Divertikel waren Thema: Das sind kleine Ausstülpungen der Darmwand, die häufig keine Probleme verursachen. Entzünden sie sich, spricht man von einer Divertikulitis.

Wichtig ist, Beschwerden nicht vorschnell selbst zu diagnostizieren. Insbesondere Blut im Stuhl, anhaltende Veränderungen der Stuhlgewohnheiten und ungewollter Gewichtsverlust sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden.

Darmkrebs? Vorsorge kann mehr als nur früh entdecken

Ein besonders wichtiger Teil des Abends widmete sich der Darmkrebsvorsorge. Darmkrebs entsteht häufig schrittweise aus zunächst gutartigen Schleimhautveränderungen, sogenannten Polypen. Das eröffnet eine besondere Chance: Bei einer Darmspiegelung lassen sich solche Vorstufen erkennen und häufig direkt entfernen – noch bevor daraus Krebs entsteht.

Viele Menschen scheuen die Untersuchung oder empfinden das Thema als unangenehm. Dabei ist die Darmspiegelung eine besonders zuverlässige Methode, um Darmkrebs und seine Vorstufen aufzuspüren. Auf Wunsch kann sie mit einer Sedierung durchgeführt werden, sodass man die Untersuchung kaum oder gar nicht bewusst erlebt.

Auch immunologische Stuhltests gehören zur Darmkrebsvorsorge. Sie suchen nach verborgenem Blut im Stuhl und können Hinweise auf eine Erkrankung liefern. Sie erkennen jedoch nicht alle Tumoren und Krebsvorstufen. Ein unauffälliger Test ist deshalb kein sicherer Ausschluss. Welche Vorsorge für wen infrage kommt, hängt unter anderem vom Alter und von der familiären Vorgeschichte ab. Wer nahe Angehörige mit Darmkrebs hat, sollte den geeigneten Zeitpunkt ärztlich besprechen.

Was auf den Teller kommt, zählt

Zum Abschluss ging es um die Frage, was jeder selbst für seinen Darm tun kann. Die Antwort ist weniger kompliziert, als die Forschung rund um das Mikrobiom zunächst vermuten lässt: möglichst abwechslungsreich essen, regelmäßig Bewegung in den Alltag bringen und stark verarbeitete Lebensmittel nicht zur Grundlage der Ernährung machen.

Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte liefern Ballaststoffe. Nüsse, Samen und Fisch können eine ausgewogene Ernährung ergänzen. Probiotika und Präbiotika werden ebenfalls häufig im Zusammenhang mit der Darmgesundheit genannt. Sie sind jedoch keine pauschale Lösung für alle Beschwerden und nicht grundsätzlich für jeden Menschen notwendig.

Der Abend zeigte, dass der Darm weit mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihm im Alltag oft zugestanden wird. Wer seine Funktionen versteht, Warnsignale ernst nimmt und Vorsorgeangebote nutzt, kann viel für die eigene Gesundheit tun.

Die Botschaft von PD Dr. Uwe Seitz lässt sich deshalb auf wenige Worte bringen: Stolz statt Scham. Denn unser Darm ist ein echtes Multitalent und verdient weit mehr Aufmerksamkeit, als ihm bisher oft geschenkt wird.

 

Pressekontakt Kreiskrankenhaus Bergstraße
Cathrin Müller
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