Was Hormone mit Schlaf, Stimmung und Brustkrebsrisiko zu tun haben
Aktuelles und Pressemitteilungen | 31.10.2026
Den Auftakt machte Dr. Anja Herbert, Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Koordinatorin des Brustzentrums Bergstraße am Kreiskrankenhaus Bergstraße. Sie erklärte, wie sich der Hormonhaushalt im Laufe des Lebens verändert und welche Auswirkungen die Wechseljahre auf Körper und Wohlbefinden haben können.
Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen sind vielen Frauen bekannt. Weniger offensichtlich sind die Folgen, die anhaltende Schlafprobleme auf Stimmung, Konzentration und Leistungsfähigkeit haben können. Rund ein Drittel der Frauen erlebt stärkere Wechseljahresbeschwerden. Dennoch werden die Symptome nicht immer als solche erkannt und mitunter anderen Ursachen zugeschrieben.
Mit dem Rückgang des Östrogenspiegels verändern sich zudem wichtige körperliche Prozesse. Knochen, Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel verdienen deshalb in dieser Lebensphase besondere Aufmerksamkeit. Die Wechseljahre sind damit nicht nur eine Zeit der Umstellung, sondern auch eine Gelegenheit, die eigene Gesundheit bewusst in den Blick zu nehmen.
Im zweiten Vortrag widmete sich Dr. Cordula Müller, Chefärztin der Frauenklinik und des Brustzentrums Bergstraße am Kreiskrankenhaus Bergstraße, dem Zusammenhang zwischen Hormonen, Krebsrisiko und Prävention.
Dabei ging es unter anderem um die Frage, warum das Brustkrebsrisiko mit zunehmendem Alter steigt, obwohl der Östrogenspiegel nach der Menopause sinkt. Neben hormonellen Einflüssen spielen auch Alterungsprozesse der Zellen und weitere individuelle Risikofaktoren eine Rolle.
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist der Lebensstil. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Alkohol können dazu beitragen, gesundheitliche Risiken zu reduzieren. Auch Übergewicht nach den Wechseljahren ist ein relevanter Faktor, da Fettgewebe weiterhin Östrogen bilden kann.
Ein weiterer Schwerpunkt war die menopausale Hormontherapie. Sie kann Wechseljahresbeschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern. Ob sie infrage kommt, hängt jedoch von der individuellen Situation, der Art der Behandlung und möglichen Risikofaktoren ab. Eine persönliche ärztliche Beratung hilft, Nutzen und Risiken abzuwägen. Nicht alle Risikofaktoren lassen sich schließlich beeinflussen. Umso wichtiger ist es, die eigenen Möglichkeiten zur Prävention zu kennen und Vorsorgeangebote wahrzunehmen.
Den Abschluss bildete Professor J. Matthias Kerl, Facharzt für Radiologie und programmverantwortlicher Arzt des Mammographie-Screenings Südhessen. Er erläuterte, wie das Screening funktioniert, welchen Nutzen es bietet und welche Grenzen berücksichtigt werden müssen.
Das Ziel ist, Brustkrebs möglichst früh zu entdecken – idealerweise, bevor Veränderungen tastbar sind. Dafür werden die Röntgenaufnahmen jeder Teilnehmerin unabhängig voneinander von zwei Ärzten beurteilt. Bei auffälligen Befunden folgen weitere Untersuchungen, um Klarheit zu schaffen.
Das Mammographie-Screening ist ein freiwilliges Angebot der gesetzlichen Krankenversicherung für Frauen zwischen 50 und 75 Jahren. Es kann dazu beitragen, Brustkrebs früher zu erkennen und die Brustkrebssterblichkeit zu senken. Gleichzeitig gehören mögliche Nachteile wie Fehlalarme und Überdiagnosen zu einer ehrlichen Aufklärung dazu.
Ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch, dass Krebs vorliegt. Er macht zunächst eine weitere Abklärung notwendig. Umgekehrt sollten neu bemerkte Veränderungen der Brust unabhängig vom nächsten Screening-Termin zeitnah ärztlich untersucht werden.
Zum Abschluss konnten die Besucherinnen und Besucher an Brustmodellen das Abtasten praktisch kennenlernen und sich mit der Brustgesundheit auch ganz unmittelbar beschäftigen.
Der Abend machte deutlich, wie eng hormonelle Veränderungen, Lebensstil und Vorsorge miteinander verbunden sind. Die Wechseljahre verlaufen individuell. Wer Beschwerden ernst nimmt, sich über persönliche Risikofaktoren informiert und Vorsorgemöglichkeiten kennt, kann fundierte Entscheidungen für die eigene Gesundheit treffen.
Das Gesundheitsforum Bergstraße vermittelt medizinisches Wissen verständlich und alltagsnah und bietet Interessierten die Möglichkeit, sich mit Gesundheitsthemen auseinanderzusetzen.
Wie lässt sich das Risiko für Herzrhythmusstörungen senken? Welche Symptome sind wichtig, und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die nächste Veranstaltung des Gesundheitsforums Bergstraße am Dienstag, 10. November 2026. Unter dem Titel „Herz aus dem Takt – Risiken senken, Symptome erkennen und richtig behandeln“ beginnt der Vortrag von Dr. Christian Langer um 18 Uhr im Kurfürstensaal, Amtsgasse 5, in Heppenheim. Der Eintritt ist frei. Die Plätze sind begrenzt.
Pressekontakt Kreiskrankenhaus Bergstraße
Cathrin Müller
Telefon: 0172-6900369
Email: cathrin.mueller@kkh-bergstrasse.de
Viernheimer Straße 2, 64646 Heppenheim