Presse &… Presse 27.06.2026 Inkontinenz…

Inkontinenz ist behandelbar. Experten informieren über moderne Therapieoptionen für mehr Lebensqualität

Aktuelles und Pressemitteilungen | 27.06.2026

Rund 10 Millionen Menschen in Deutschland leben laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft mit Inkontinenz. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch deutlich höher liegen. Viele Betroffene sprechen aus Scham nicht über ihre Erkrankung. Inkontinenz bleibt daher häufig unbehandelt. Dabei ist Inkontinenz keine Erkrankung, die man einfach hinnehmen muss. „Für die meisten Betroffenen können wir heute individuelle und sehr erfolgreiche Behandlungsstrategien anbieten“, betonte Dr. Cordula Müller, Leiterin des Kontinenzzentrums Bergstraße gleich zu Beginn der Veranstaltung.

Dranginkontinenz im Fokus

Die Fachärztin stellte mit der Dranginkontinenz einen Schwerpunkt des Abends vor. Bei der Dranginkontinenz verspüren Betroffene plötzlich einen sehr starken Harndrang, der sich kaum kontrollieren lässt. Häufig bleibt nicht genügend Zeit, um rechtzeitig eine Toilette aufzusuchen.

Die Ursachen sind vielfältig: Neben altersbedingten Veränderungen können insbesondere neurologische Erkrankungen, Diabetes mellitus, hormonelle Veränderungen oder Funktionsstörungen der Blase eine Rolle spielen. Die Beschwerden reichen von häufigem Wasserlassen über mehrmaligen nächtlichen Harndrang bis hin zu ungewolltem Urinverlust.

„Für eine erfolgreiche Behandlung ist zunächst eine sorgfältige Diagnostik erforderlich“, sagt Müller. Neben dem ärztlichen Gespräch und körperlichen Untersuchungen könnten Blasentagebücher wichtige Hinweise liefern.

Mit konservativen Maßnahmen können häufig bereits deutliche Verbesserungen erzielt werden: eine Änderung des Trinkverhaltens, Blasentraining sowie das gezielte Training der Beckenbodenmuskulatur. Neben medizinischen Informationen gab die Chefärztin den Teilnehmenden ganz praxisnahe Empfehlungen für den Alltag wie etwa der Verzicht auf Nikotin, eine Reduzierung des Kaffeekonsums, die richtige Sitzposition beim Toilettengang und konkrete Strategien zur Kontrolle von Harndrang. Darüber hinaus stehen medikamentöse Therapien zur Verfügung, die die Aktivität der Blase regulieren können.

Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, ist zudem eine Injektion von Botulinumtoxin in die Blasenwand oder auch die sakrale Neuromodulation, ein sogenannter „Blasenschrittmacher“, möglich. Beide Verfahren können die Beschwerden erheblich reduzieren und die Lebensqualität nachhaltig verbessern.

Belastungsinkontinenz: Gezieltes Training häufig erfolgreich

Dr. Barbara Güldner, die als Fachärztin am Kreiskrankenhaus Bergstraße und dem MVZ Heppenheim tätig ist, widmete sich in ihrem Vortrag der Belastungsinkontinenz. Bei dieser kommt es insbesondere beim Husten, Niesen, Lachen oder bei körperlicher Belastung zu ungewolltem Urinverlust.

Die Ursachen liegen häufig in einer Schwächung des Beckenbodens. Dies kann vor allem nach Schwangerschaften und Geburten, durch hormonelle Veränderungen oder im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses auftreten.

Auch hier ist eine sorgfältige Diagnostik essentiell für eine erfolgreiche Behandlung. Zu den konservativen Behandlungsmethoden gehören insbesondere: Beckenbodentraining, Physiotherapie, Biofeedback-Verfahren sowie unterstützende digitale Trainingsangebote.

Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Nikotin sind Veränderungen im Alltag, die sehr positive Effekte erzielen können. Bei einigen Patientinnen kommt zudem eine lokale Östrogentherapie und/oder eine Pessartherapie infrage.

Wenn konservative Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen, stehen moderne operative Verfahren zur Verfügung. Diese werden individuell ausgewählt und können die Kontinenz langfristig verbessern.

Stuhlinkontinenz mit hoher Dunkelziffer

Dass Inkontinenz nicht nur die Blase betrifft, erläuterte Dr. Gregor Jung, Leiter des Darmzentrums Bergstraße. Störungen des Beckenbodens können auch die Darmfunktion beeinträchtigen und zu Stuhlinkontinenz führen.

Die Ursachen reichen von Muskel- und Nervenschäden über altersbedingte Veränderungen bis hin zu Erkrankungen des Enddarms. Auch chronische Darmerkrankungen und andere Funktionsstörungen können Beschwerden begünstigen.

Die Behandlung erfolgt auch hier zunächst meist konservativ: Ernährungsumstellung, Stuhlregulation, Beckenbodentraining und Biofeedback-Verfahren können in vielen Fällen Verbesserungen bewirken.

Darüber hinaus stellte der Chirurg moderne diagnostische und operative Möglichkeiten beim sogenannten Rektumprolaps, auch „Mastdarmvorfall“, vor. Bei diesem tritt das Enddarmgewebe auf Grund einer ausgeprägten Beckenbodenschwäche aus dem Anus heraus. Dabei betonte Jung, dass nicht jeder Prolaps operiert werden muss. Sollte diese dennoch erforderlich sein, stehen heute schonende und häufig minimalinvasive Verfahren mit schnellen Genesungszeiten zur Verfügung.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit für eine individuelle Therapie

Die zentrale Botschaft aller Referierenden lautete daher: Inkontinenz kann heute in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden. Voraussetzung ist eine frühzeitige Vorstellung beim Arzt und eine individuell abgestimmte Therapie.

Am Kreiskrankenhaus Bergstraße arbeiten die Spezialistinnen und Spezialisten des Kontinenzzentrums und des Darmzentrums eng zusammen, um Patientinnen und Patienten eine umfassende Betreuung anzubieten. Durch die Anbindung an das Universitätsklinikum Heidelberg stehen den Menschen im Kreis Bergstraße Behandlungsmöglichkeiten auf höchstem medizinischem Niveau zur Verfügung. 

Mit dem Patientenabend zum Thema Inkontinenz verabschiedet sich das Gesundheitsforum Bergstraße nun in die Sommerpause. Im September wird die etablierte Veranstaltungsreihe mit neuen medizinischen Themen fortgesetzt.

 

Pressekontakt Kreiskrankenhaus Bergstraße
Cathrin Müller
Telefon: 06252-70192388
Mobil: 0172-6900369
E-Mail: cathrin.mueller(at)kkh-bergstrasse.de
Viernheimer Straße 2, 64646 Heppenheim