Moderne Medizin und Longevity für Frauen im Gesundheitsforum Bergstraße
Aktuelles und Pressemitteilungen | 13.03.2026
Obwohl Frauen statistisch länger als Männer leben, verbringen sie deutlich mehr Jahre ihres Lebens mit gesundheitlichen Einschränkungen. Danach verbringen Frauen im Schnitt rund ein Viertel weniger Jahre in guter Gesundheit als Männer. In Deutschland entspricht dies etwa 19 Jahren. Ursachen dafür sind unter anderem die lange Zeit der unzureichenden Berücksichtigung von Frauen in medizinischen Studien, fehlende Daten zu frauenspezifischen Erkrankungen sowie verspätete Diagnosen bei vielen Krankheiten, Stichwort: „Gender-Health-Gap“.
„Vor diesem Hintergrund gewinnt das Konzept der Longevity zunehmend Aufmerksamkeit“, so Müller. Mit „Longevity“ ist vor allem eine Verlängerung der gesunden Lebensjahre gemeint. Die Forschung beschäftigt sich dabei unter anderem mit epigenetischen Prozessen, also Mechanismen, die Gene aktivieren oder abschalten und durch Lebensstil und Umwelt beeinflusst werden können. Zwar werden in der Öffentlichkeit häufig Nahrungsergänzungsmittel oder vermeintliche Anti-Aging-Produkte diskutiert, wissenschaftliche Belege für einen nachhaltigen Nutzen fehlen jedoch weitgehend. Deutlich besser belegt sind klassische Lebensstilfaktoren: eine überwiegend pflanzenbasierte Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, soziale Kontakte sowie ein bewusster Umgang mit Stress. Diese Faktoren finden sich auch bei besonders langlebigen Menschen weltweit. Auch der ausreichende Genuss von Omega-3 Fettsäure wirkt sich positiv auf das Altern aus.
Entscheidend für die langfristige Gesundheit von Frauen seien vor allem zwei Schlüsselphasen im Leben einer Frau: die Schwangerschaft und die Menopause. Die Schwangerschaft bezeichnete Dr. Müller als eine Art „Gesundheitscheck für den Körper“. Während dieser besonderen Zeit muss sich der Organismus an enorme Veränderungen anpassen. Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes oder Schwangerschaftsbluthochdruck können Hinweise auf spätere gesundheitliche Risiken geben. Die Risiken später einen Diabetes mellitus oder gar einen Herzinfarkt zu bekommen sind bis zu 50 % erhöht. Hier sind gezielte lebenslange Nachsorge und Gegensteuern mit Lebensstiländerungen sehr wichtig.
Auch die Entwicklung des Kindes wird bereits in dieser frühen Phase geprägt. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Schwangerschaft und die ersten 1000 Lebenstage einen erheblichen Einfluss auf die spätere Gesundheit des Kindes bis hin in sein Erwachsenenleben haben. Ernährung, Stress oder Stoffwechsel der Mutter beeinflussen die Entwicklung von Organen, Stoffwechsel und Immunsystem des Kindes langfristig. Diese sogenannte fetale Programmierung kann das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen im späteren Leben erhöhen.
Als weitere bedeutende Phase im Leben einer Frau nennt die Chefärztin die Wechseljahre. Frauen verbringen heute rund ein Drittel ihres Lebens nach der Menopause. Ein Grund zu überlegen, wie diese Phase sich gesundheitlich beeinflussen lässt. Viele Frauen erleben Beschwerden wie Schlafstörungen, Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme, die häufig unterschätzt oder als Burnout fehlinterpretiert werden. Mit Lebensstil, aber auch mit moderner Hormonersatztherapie kann frau dies bewältigen. Darüber hinaus fällt der schützende Einfluss des Hormons Östrogen weg, wodurch das Risiko für Herzinfarkte und andere Erkrankungen steigt. Die Wechseljahre bieten deshalb auch eine wichtige Gelegenheit, Risikofaktoren wie Blutdruck, Blutzucker und Gewicht zu überprüfen und durch Lebensstilmaßnahmen für eine langfristige Gesundheit zu sorgen.
Resümierend plädierte Dr. Müller dafür, Frauengesundheit ganzheitlicher zu betrachten und Stellschrauben, die besondere Lebensabschnitte wie Schwangerschaft und Menopause bieten, zu nutzen. Medizin und Politik müsse geschlechtersensible Forschung vorantreiben, um Frauen ein längeres und vor allem gesünderes Leben zu ermöglichen.
Die nächste Veranstaltung im Gesundheitsforum Bergstraße findet Dienstag, den 24. März, um 17 Uhr im Kurfürstensaal in Heppenheim statt. Prof. Dr. Timolaos Rizos, Chefarzt der Neurologie am Kreiskrankenhaus Bergstraße, wird über das Thema „Kopfschmerzen – moderne Therapiemöglichkeiten“ sprechen. Der Eintritt ist frei.
Pressekontakt Kreiskrankenhaus Bergstraße
Cathrin Müller
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